Dieser Teil meines Reiseberichts beginnt mit einem Geständnis: ich habe eine ausgeprägte Schwäche für Stubentiger. Heute berichte ich deshalb ausschließlich von Dingen, die ich in Japan in Verbindung mit Katzen erlebt habe. Seid gewarnt, denn dieser Beitrag wird lang und bilderlastig!

Die im Westen bekanntesten asiatischen Katzenvertreter sind sicherlich Hello Kitty und winkende Maneki-Nekos, aber die Faszination der Japaner für die Pelzknäule geht noch sehr viel weiter. Es gibt überall Kleidung und Accessoires mit Katzenmotiven, teilweise ganze Abteilungen im Laden, die nur diesen gewidmet sind. Diese Ausmaße haben mich ziemlich überrascht, als heimliche Katzenlady aber auch sehr gefreut. Hier konnte ich ganz ungeniert meine Katzenshirts in der Öffentlichkeit ausführen, oder meine Katzenschuhe, oder beides gleichzeitig!

Katzen sind auch als Maskottchen und in Logos recht beliebt, wie diese zwei Beispiele illustrieren. Das erste Bild zeigt den Laster einer Lieferfirma, das zweite die Werbung eines Kreditinstituts (glaube ich zumindest). Wer würde sein Geld schließlich nicht einer freundlichen Katze im Anzug anvertrauen?

Japanisches Logo mit Katze

Japanisches Logo mit Katze

Auf den Geländen von Tempeln und Parks sind auch viele echte Exemplare zu finden, nicht immer waren die Streuner aber im besten Zustand.

Katze in japanischem Garten
Katze auf japanischem Tempelgelände

Kommen wir nun zu einem persönlichen Highlight der Reise und dem eigentlichen Grund, warum ich letztendlich zugestimmt habe, überhaupt mitzufliegen: Tama, die Bahnhofsvorsteherkatze!

Tama die Bahnhofskatze Logo

Dahinter steckt eine clevere Marketingidee, die eine komplette Zuglinie gerettet hat. 2006 sah es nicht gut aus für die Kishigawa Line, Fahrgäste waren so rar geworden, dass das Personal an den Bahnhöfen entlassen werden musste. Stattdessen wurden Leute aus der Umgebung damit beauftragt, nach dem Rechten zu sehen. Einer davon war ein Ladenbesitzer in Kishi, der sich auch um die streunenden Katzen kümmerte. Bei der Bahngesellschaft kam man auf den rettenden Einfall: warum nicht eine der Katzen zur Bahnhofschefin ernennen? Der dreifarbigen Tama wurde also ein kleines "Büro" eingerichtet, ein Schaffnerhut in Katzengröße angefertigt und das alles an die Medien gebracht. Und der Plan ging auf: tausende Besucher kommen jährlich, um Tama zu sehen.

Erfahren habe ich von dieser Geschichte vor Jahren schon, als auf Arte die Dokumentation "Katzenlektionen" lief. Niemals hätte ich es mir damals träumen lassen, dass ich einmal die Chance haben werde, diese Katze wirklich zu sehen. Tama ist nicht mehr die Jüngste, also hieß es "jetzt oder nie!"

Um Tama zu besuchen, muss man zuerst zum Bahnhof von Wakayama. Von Ōsaka aus fährt man etwa 70 Minuten. Dort angekommen, wird man von Katzentapsen zum Bahnsteig der Kishigawa Line geführt, wo der spezielle Tama-Densha (Tamazug) mehrmals am Tag abfährt. Der Zug ist bereits eine Attraktion an sich, denn er ist liebevoll von innen und außen mit Katzenmotiven gestaltet:









Etwa eine halbe Stunde fährt man durch das ländliche Gebiet von Wakayama, bis man am Bahnhof von Kishi ankommt. Dieser wurde mit den eingenommenen Millionen vor einiger Zeit umgebaut und sieht jetzt aus wie direkt einem Ghibli-Film entnommen. Dort ist Tamas Büro, ein Glaskasten mit Schlafplatz und Katzenbaum. Während ihrer Dienstzeit ist sie darin vorzufinden und sollte eigentlich die ankommenden Fahrgäste begrüßen. Da sie wie gesagt aber eine alte Katze ist, die nicht wirklich arbeitet, hat sie die meiste Zeit geschlafen. Tierschützer müssen übrigens keine Angst haben: sie ist nicht eingesperrt, sondern kann durch ein Loch immer weg, sollte es ihr zu viel werden. Von den Touristen zeigte sie sich allerdings wenig beeindruckt.







Wir haben derweil unser Bentō auf dem Bahnsteig gegessen und uns schließlich im Tama-Café noch einen Nachtisch geholt. Danach plünderte ich förmlich den Souvenirladen. Der alte Mann hinterm Tresen wird sich seinen Teil über verrückte Ausländer gedacht haben... Kishi selbst ist ein kleines Provinznest, in dem es an sich nicht viel zu sehen gibt. Wir erkundeten die Gegend dennoch ein wenig, weil noch genügend Zeit bis zum nächsten Zug war. Es ist ganz interessant zu sehen, wie die Leute auf dem Land leben. In den Siedlungen stehen zwischen den neuen Häusern auch hin und wieder noch welche aus Holz. Aber auch hier ist ein Getränkeautomat nie weit entfernt!







Mit dem Ichigo-Densha (Erdbeerzug) ging es dann noch weiter nach Idakiso, um auch Nitama einen Besuch abzustatten. Sie ist Tamas Nachfolgerin und Vertretung. Idakiso hat einen tollen Schrein, der nicht weit vom Bahnhof entfernt ist. Die ganze Strecke der Kishigawa Line ist gut dazu geeignet, das ländliche Japan kennenzulernen. Ein Tagespass lohnt sich also!