Warum du es auch ohne Talent schaffen kannst

Wenn ihr mal einen Künstler ärgern wollt, dann sagt doch einfach „Toll dein Bilder. Ich wünschte, ich könnte das auch, aber ich hab ja gaaaar kein Talent für sowas!“ – Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich solche Aussagen in den Kommentarspalten auf Instagram & co lese. Sie lassen mich immer genervt die Augen verdrehen, denn Fakt ist: Talent ist nur ein kleiner Teil dessen, was diesen Menschen auf sein jetziges Level gebracht hat.

Talent ist nicht gleich Können

Wahrscheinlich meinen das die Kommentatoren (oder im echten Leben: gutmeinende Verwandte) gar nicht böse. Leider untergraben sie damit aber die tatsächliche Leistung der Künstler, die hinter dem tollen fertigen Bild steht. Um dieses Level zu erreichen, quälten sie sich in der Vergangenheit wahrscheinlich durch zahlreiche Fehlschläge und steckten ungezählte Stunden am Schreibtisch in ihr
Hobby oder ihren Beruf. Sehr verständlich, dass sie nicht besonders begeistert
reagieren, wenn man ihre harte Arbeit unter „Talent“ und damit mehr oder
weniger unter reinem Glück verbucht.

Damit möchte ich nicht sagen, dass Talent oder Genie nicht existiert. Es gibt immer
Leute, die dank einer schnelleren – oder anders gestrickten – Auffassungsgabe einfacher lernen als der Rest. Aber auch sie müssen etwas aus ihren Anlagen machen. Jemand der Talent hat, aber nicht übt, wird irgendwann überholt werden von dem, der kontinuierlich hart an seinen Fertigkeiten feilt. 

Ich bin der vollen Überzeugung, dass jeder Zeichnen lernen kann.
Dazu muss das erste Wort im Leben nicht „Stift“ gewesen sein.
Was es aber braucht, ist Durchhaltevermögen. Und das verlieren viele
irgendwann, weil gerade am
Anfang die meisten Versuche noch weit vom Meisterwerk entfernt sein werden.

Du hast es in der Hand!


Man verliert sich leicht in Vergleichen mit anderen. Da wir alle auf einem anderen Level
beginnen und unterschiedliche Stärken sowie Voraussetzungen besitzen, sollten wir uns aber davon nicht ausbremsen lassen. Die Illusion
„Ich könnte das nie!“ entsteht, weil man die
Mechaniken hinter der Arbeit (noch) nicht kennt. Es hat also auch etwas Gutes, sich von der Vorstellung des vorgegebenen Talents abzuwenden: Wenn du etwas unbedingt willst, dann ist es wahrscheinlich auch möglich, es zu erreichen. Selbst ohne diese ominöse Gabe kannst du es weit bringen.

Und wie wird man nun ein besserer Zeichner? Es mag Faktoren geben, die die Entwicklung beschleunigen. Dazu können beispielsweise ein guter Kurs oder der Besuch einer
Kunsthochschule gehören. Im Internetzeitalter stehen aber auch online so viele Ressourcen zur Verfügung, dass das Anfangen nie leichter war. Viel wichtiger noch sind Wissbegierigkeit und Freude am Lernen. Und: Nicht den Mut zu verlieren!

4 Comments

  1. Sara Gläser 28. Februar 2017 at 11:02

    Toller Beitrag. Dass für viele Zeichnen keine Arbeit ist, sondern nur ein Hobby, ist ja bekannt. Und das merke ich jedes Mal, wenn ein Auftrag am Preis scheitert. Leider ist die Diskussion über Talent auch immer ein zweischneidiges Schwert. In der Ausbildung hat mir das, was manche Talent nennen, sehr geholfen. Während ich verträumt einfach vor mich hin gezeichnet habe, mussten sich die anderen anstrengen und waren dann immer sauer auf mich "Streber" dass meine Arbeiten dann immer als Beispiel für die anderen genutzt wurden. Einige der anderen hat es sehr verletzt, dass sie egal mit welcher Anstrengung nicht gut genug wurden.Aber auch mich verletzt es jedes Mal, wenn man meine Arbeit als einfaches Hobby darstellt. Nein! ich verrenke mich stundenlang über einer Leinwand und beschwöre den familiär veranlagten Bandscheibenvorfall immer mehr herauf. Ich übe bei fremden Motiven, damit der Kunde das bekommen kann, was er sich wünscht – auch wenn ich vielleicht schneller XPs sammle und Leveln kann, so muss ich für meinen Fortschritt trotzdem etwas tun. immerhin mache ich das schon seit ich denken kann. Ja, talent ist nur der Treibstoff für das Können. der eine hat eben einen größeren Talenttank, der andere muss öfter anhalten ;)Liebe Grüße > sara

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    1. Alex 3. März 2017 at 15:12

      reative Arbeit wird leider in vielen Bereichen nicht genügend wertgeschätzt :(Die Wenigsten können sich die Arbeitsprozesse dahinter vorstellen…Ja ich kenne das auch damals aus der Schule: Während andere z.B. stundenlang Vokabeln pauken mussten, fiel mir das Englischlernen ziemlich leicht. Überhaupt konnte ich alles was Sprachen anging recht gut intutiv erfassen. Das wirkt dann immer etwas unfair, dafür war ich aber in anderen Dingen nicht unbedingt ein Blitzmerker und musste mich viel mehr anstrengen.Ich glaube auch, dass jeder seine eigene Methode finden muss, um sein Ziel zu erreichen. Vielleicht werden manche nicht schneller besser, weil sie falsch an die Sache herangehen? Und die ewige Ungeduld kommt natürlich auch noch dazu. Manchmal bin ich frustriert, dass ich noch nicht besser bin. Dann muss ich mich daran erinnern, dass ich erst seit ungefähr 2 Jahren wirklich strukturiert ans Zeichnenlernen herangehe – und das ist doch relativ wenig, fühlt sich nur eben schon so lang an 😉

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  2. Karo Kafka 4. März 2017 at 7:41

    Das stimmt absolut! Wenn ich sage, dass ich nicht zeichnen kann, heißt das bei mir eigentlich, dass ich gar nicht das Bedürfnis habe, es überhaupt zu lernen. Ich hätte nicht die Ausdauer, die Zeit und Arbeit hineinzustecken, weil meine Interessen einfach woanders liegen. Ich habe letztens aber ein gutes Video gesehen, in dem es um die zwei Arten ging, wie man Dinge liebt. Die eine Liebe ist die, in der man etwas wertschätzt und andere dafür bezahlt oder bewundert oder unterstützt, es zu machen und auszuüben. Da liebt man eher das Endprodukt (ein Gericht im Restaurant, weil man nicht kochen möchte). So ist das bei mir mit dem Zeichnen. Ich bewundere andere für ihr Talent, gut zeichnen zu können und bin auch bereit, dafür zu zahlen, wenn ich selbst eine Illustration haben möchte. Und dann gibt es die Liebe, bei der man sich mit dem Prozess beschäftigen möchte, sie darin vertieft und alles bis ins Kleinste aufschlüsseln will. Bei mir sind das zum Beispiel einige Sprachen, die ich in meiner Freizeit erlerne und anwende und auseinandernehme, weil es mich so fasziniert. Bei dir eben das Zeichnen, der Prozess dahinter und welche Stifte, welches Papier gut sind, welche Stile es gibt und so weiter. In der zweiten Liebe steckt das eigene Herzblut drin, in der ersten Art eher die Wertschätzung und Anerkennung der Talente anderer. Fand ich sehr einleuchtend. 🙂

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    1. Alex 4. März 2017 at 9:08

      So geht es mir mit der Musik. Ich schätze das Endprodukt, aber hätte nicht genug Interesse und Durchhaltevermögen um mich mit den ganzen Prozessen dahinter zu beschäftigen oder selbst ein Instrument zu lernen. Sehr einleuchtend!

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