Vor ziemlich genau einem Jahr fasste ich die die Entscheidung, ab jetzt jeden Tag zu zeichnen. Ohne Ausreden wollte ich endlich etwas für meine eigene Entwicklung als Zeichner tun. In den folgenden zwölf Monaten zeichnete ich mehr als je zuvor in meinem Leben Vier Skizzenbücher sind gefüllt sowie ungezählte Zettel, Hefte und Schreibtischunterlagen vollgekritzelt. Meine kleinen Erfolge und großen Zweifel dokumentierte ich zum Teil hier auf dem Blog. Jetzt ist es an der Zeit, noch einmal meine Erkenntnisse zu ordnen und meine veränderte Einstellung zu reflektieren!



Geduld ist eine Tugend

Die schwierigste aller Lektionen: Ich darf mein Tempo nicht mit dem anderer vergleichen. Meine Energiereserven sind begrenzt wenn ich mich selbst überfordere, führt das dazu, dass ich am Ende gar nichts machen kann.

Um die Geduld mit mir selbst eben nicht zu verlieren, versuche ich an bisherige Erfolge zu denken. Zum Beispiel beim Vergleich meiner Inktober-Zeichnungen aus den Jahren 2014, 2015 und 2016. Oder feststelle, dass ich ja mittlerweile Hände aus dem Kopf zeichnen kann (egal ob perfekt oder nicht).

Geduld heißt aber auch, sich beim Ausprobieren, Verwerfen und Scheitern nicht entmutigen zu lassen. Das Wichtigste im Prozess war es wirklich, dran zu bleiben. Dieses Beispiel verdeutlich das gut.

Ein Stil im Entstehen

Nach einem unverwechselbaren Stil streben wohl die meisten Künstler. Ich habe diesen lange Zeit nicht in meinen Bildern gesehen. Glücklicherweise löst sich dieses Problem dank der erhöhten Produktivität mittlerweile von allein. Ziemlich logisch: Mehr Output, mehr Gelegenheit einen eigenen Strich und Sicherheit zu entwickeln.

Und noch viel wichtiger: Mir gefällt immer öfter, was ich zeichne. Ich fühle mich also auf einem guten Weg. Da ich mich außerdem verstärkt mit anderen Künstlern auseinandersetze, kristallisiert sich auch mein persönlicher Geschmack stärker heraus. Eine gute Inspiration für das eigene Schaffen!

Keine Vorlage - Kein Problem?

Es mag komisch klingen, aber auch als kreativer Mensch kann man an mangelnder Fantasie leiden. Ich habe schon als Kind hauptsächlich abgezeichnet und mich auch später stark von Vorlagen abhängig gemacht. Eine Entwicklung, auf die ich deswegen besonders stolz bin, geschah ungefähr im September. Im damals begonnenen Skizzenbuch zeichnete ich plötzlich viel mehr aus dem Kopf - als hätte sich ein Schalter umgelegt. Mit wachsendem Grundlagenwissen ist auch das Handwerkszeug vorhanden, sich von Vorlagen zu lösen. Statt als erstes eine Referenz zu suchen, nutze ich sie etwas später für Stellen, mit denen ich Probleme habe. (Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich NIE ein bestimmtes Bild als direkte Inspiration nehme...soweit bin ich dann doch noch nicht).

Selbstvertrauen > Selbstzweifel

Zeiten, in denen es mir persönlich nicht gut ging, ließen mich auch wenig zeichnen und dafür viel zweifeln. In der Summe gehe ich aus diesem Auf und Ab aber mit einem zuversichtlichern Gefühl heraus. Ich habe keine Angst mehr: Weder vor der ersten weißen Seite, noch davor, zu Scheitern. Auf gewisse Weise konnte ich Frieden damit schließen, dass ich manchmal (oft?) ziemlichen Murks produziere. Oft muss ich sogar lachen, wenn ich mir eine besonders missglückte Skizze ansehe. Blöde "Krea-tief"-Phasen gehen vorbei. Umso schöner sind die Momente, in denen ich mir denke "Wow, das hab ich gezeichnet?".

Mir wird in letzter Zeit deutlicher, was mich vorher zurückhielt. Es fühlt sich immer noch ein bisschen hochstaplerisch an, mich selbst als Künstler zu bezeichnen. Aber ich freue mich, ein winziger Teil der Onlinekunstwelt zu sein, die mich in vielen Aspekten fasziniert, inspiriert und anspornt. 2016 habe ich auf vielfältige Weise Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten gewonnen. Ich hoffe es klingt nicht zu pathetisch, wenn ich dieses Jahr als Grundlage für Großes ansehe. Mein Wunsch für 2017 ist es, mir die gefundene Beharrlichkeit für meinem weiteren Weg zu bewahren.

Eines ist sicher: Der Gedanke ans Aufgeben lag nie ferner!


Abschließen kann ich nur mit einem großen Danke an euch, denn ohne eure Kommentare würde es nur halb so viel Spaß machen. Ich bin unglaublich froh, dass ihr hier eure Gedanken und Tipps mit mir teilt <3 

Wie habt ihr meine "Reise" empfunden?