Ich wette jeder hat sie - kleine Ticks und Spleens, die man über die Zeit entwickelt. Im Bezug aufs Zeichnen und kreative Arbeiten sind mir einige Sachen an mir aufgefallen, die ich heute mal zusammenfassen möchte. Vielleicht erkennt ihr euch in der ein oder anderen Marotte ja wieder?

1. Schreibtisch-Yoga

10 Minuten sitze ich vernünftig am Tisch. Dann fange ich an, meine Beine zu verknoten und übereinanderzuschlagen. Das geht über in den Schneidersitz oder das Knien auf dem Stuhl. In der letzten Phase (die glücklicherweise nicht immer erreicht wird) nehme ich dann eine vornübergebeugte Gargoyle-Haltung an, die ganz bestimmt nicht mehr rückenfreundlich ist. Aber wenigstens sitze ich jetzt am Tisch! Früher habe ich nämlich oft einfach am Boden gearbeitet, obwohl das äußerst unbequem war.

2. Leute anstarren

Wir ihr wisst, zeichne ich besonders gerne Menschen. Deswegen kann ich mich sehr für interessante Menschen, ihre Haltungen oder Gesichtsmerkmale begeistern. Bisweilen faszinierte mich eine Nase, ein Mund oder die Beine einer fremden Person so sehr, dass ich mich nicht vom anstarren abhalten kann. Dabei erwischt zu werden ist allerdings ziemlich peinlich, weswegen ich versuche, es so unauffällig wie möglich zu gestalten...

3. Ein bisschen zu viel Empathie

Beim Zeichnen habe ich mich schon oft dabei erwischt, den gerade dargestellen Gesichtsausdruck nachzuahmen. Außerdem stelle ich mir gern vor, wie die Person sich wohl fühlt oder was sie wohl in diesem Moment denken würde.

4. Ich kann nicht, wenn jemand guckt

Ich mag es nicht, wenn mir jemand über die Schulter schaut, während ich noch arbeite. Nichtmal meinem Freund zeige ich meine Zeichnungen während der Entstehungsphase (und ehrlich gesagt auch danach meistens nicht). Ich fühle mich leider einfach viel zu unsicher und gehe prinzipiell davon aus, dass andere Leute meine Kritzeleien furchtbar finden.

5. Horten

Auf dem Computer finden sich riesige Ordner voller interessanter Bilder von anderen Künstlern, Vorlagen, Fotos von Gesichtern und überhaupt allem, was als Inspiration dient - alles durcheinander und täglich kommen neue dazu. Ein bestimmtes Bild zu finden, dauert teils sehr lange, aber für das Anlegen eines Systems war ich bisher zu faul. 

6. Wo ist eigentlich mein Radiergummi?

Ich weiß nicht warum, aber ich suche ständig meinen Knetradierer. Er ist schon an den seltsamsten Orten wieder aufgetaucht. Darauf geschlafen habe ich auch schon aus Versehen.

7. Details

Es gibt kleine Details, die ein richtiges Wohlgefühl auslösen, wenn ich sie zeichne. Zum Beispiel liiiiebe ich es, auf einem Körper den Bauchnabel anzudeuten oder in Gesichtern mit ein paar Strichen die Wangen zu betonen, auch wenn es völlig unnötig ist. Gerade entwickelt sich dieser Spleen für Wimpern. Ach ja, und kräftige Augenbrauen sind auch toll!

8. Kreatives Chaos

Auch wenn ich mit aufgeräumtem Tisch starte, sieht es prinzipiell nach kurzer Zeit immer aus wie Bombe eingeschlagen, das Skizzenbuch umbequem eingequetscht zwischen Stiftebergen und Teetassen. Das wird dann auch gerne ewig so liegengelassen. Einmal habe ich das Tuschewasser so lange stehen lassen, dass es komplett verdunstet war, ups.

9. Hummeln im Hintern

Wenn ich das Gefühl habe, dass ein Bild gut wird, stehe ich zwischendrin ständig auf, um es mir aus etwas Entfernung anzusehen. Dann laufe ich eine Runde durchs Zimmer, setze mich wieder hin und mache weiter.

10. Friedhof der Projektideen

Und das Schlimmste und Nervigste überhaupt: ich habe Papierstapel und Notizbücher voll mit Ideen, Skizzen und Projektplänen, aber zur Umsetzung kommt es leider selten. Und wenn ich an etwas arbeite, bin ich außerdem gedanklich oft schon wieder woanders und mache es dann nicht fertig...


Habt ihr auch ein paar Macken (beim Zeichnen oder anderswo)?