So langsam nähere ich mich dem Ende des Reiseberichts. Dieser Beitrag wird wohl der vorletzte sein. Der Ausflug nach Nara ist mir als einer der schönsten in Erinnerung geblieben (gleich nach dem Besuch bei Tama). Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre zum Weltkulturerbe zählenden Tempelbauten und die zahmen Hirsche, die den Park bevölkern.

Nara kann man mit dem Regionalzug in etwa 40 Minuten erreichen. Das Wetter an diesem Tag war strahlend schön: zwar immer noch sehr heiß, aber nicht ganz so schwül wie vorher. Ideal für einen Tag im Nara Park, der praktischerweise in Laufreichweite zum Bahnhof liegt. Darin befinden sich eine Vielzahl der Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Treppe in Nara mit roten Fahnen an beiden Seiten


Der erste Stopp erfolgte am Kōfuku-ji Tempelkomplex, wo wir uns die östliche goldene Halle und das National Treasure Museum angesehen haben. Letzteres beherbergt unzählige Kunstschätze, die einen ob ihres Alters ein wenig ehrfürchtig werden lassen. Nara war im 8. Jahrhundert für eine Weile die Hauptstadt Japans. Dieser Zeit hat es auch seine großen Tempelanlagen zu verdanken. Ich war äußerst überrascht, wie riesig die Gebäude hier waren! Alle vorher besichtigten Tempel wirkten im Vergleich zu ihnen regelrecht mickrig.

Buddha Statue mit Blumen und einem roten Latz

Kohfuki-ji Pagode in Nara

Und dieser Eindruck entstand sogar noch, bevor wir am Tōdai-ji Tempel ankamen, der mit seinen fast 50 Metern Höhe die Bezeichnung riesig wirklich verdient hat. Nicht nur das Bauwerk, auch sein Innenleben ist ziemlich beeindruckend. Darin sitzt nämlich ein 30 Meter messender Bronze-Buddha neben anderen enormen Figuren, bei denen man sich wirklich fragt, wie die Menschen früher so etwas herstellen konnten.

Todaiji Tempel in Nara
Tōdai-ji. Seht euch die winzigen Menschen davor zum Vergleich an!

Riesige Buddha Statue Daibutsu

Riesige Holzfigur im Todaiji Tempel Nara

Bevor es mit dem Kulturprogramm weitergeht, muss ich aber noch die insgeheime Hauptattraktion zeigen:  Sika-Hirsche! Es dauert nicht lange, bis man auf die ersten Exemplare trifft, die frei durch die Parkanlagen streifen. Ich hatte anfangs etwas Respekt, aber habe mich schließlich doch getraut, sie (zaghaft) zu streicheln. Andere Touristen hatten da deutlich weniger Berührungsängste, setzten sich zu den Tieren als wären sie beste Freunde und machten Fotos von schräg oben mit Hirsch im Arm^^° Die Hirsche störte das alles herzlich wenig, sie liegen auch vor den Geschäften wie selbstverständlich herum. Was sie allerdings in Aufruhr versetzt, ist das an kleinen Ständen zu erwerbende Futter. Mein Freund hat eine Packung gekauft und kam nicht mehr dazu, die Kamera an mich weiterzureichen, so schnell war er von ihnen umringt und bedrängt. Nach einer halben Minute war nichts mehr davon übrig!

Schulmädchen, die Sika Hirsche füttern in Nara
Hirsche und Schulmädchen

ein Sika Hirsch in Nara

Warnschild vor Hirschen

Entgegen der Warnungen auf dem Schild waren sie sehr friedlich, neugierig und putzig. Wenn man sich vor ihnen verbeugt, verbeugen sie sich sogar zurück. Das nenne ich mal japanische Höflichkeit^^ Die ganze Sache mit den Hirschen ist übrigens enstanden, weil die Tiere als Schutzgottheiten des Kasuga Taisha angesehen wurden und deshalb dort schon seit langem besonderen Schutz genießen. Je näher man dem Tempel kommt, desto mehr Hirsch-Ornamente sieht man tatsächlich, z.B. auf den Steinlaternen. Laterne ist auch das Stichwort in der Gestaltung des Tempels:

japanische Steinlaterne mit Hirsch Ornament


Laternen im Kasuga Taisha Tempel


Der Park erstreckt sich über eine derart weite Fläche, dass ein Tag zum Erkunden nicht ausreicht. Ich kann gar nicht alle Fotos zeigen, die ich dort gemacht habe! Es gibt so viel auf dem Weg zu sehen: Bauwerke, Gärten, Läden, ein Blick über die Stadt und immer wieder Hirsche. (Und es gab vernünftige Toiletten, nicht immer selbstverständlich...) Die meiste Zeit hält man sich im Wald oder dessen Nähe auf, was es auch an einem heißen Tag erträglich macht. Nara war für den letzten Ausflug der Abreise perfekt, denn es hat noch einmal alles vereint, was  Japan für mich so besonders macht.