Was Filme angeht, bin ich leider nicht sehr bewandert. Ich komme schon in der Literatur nicht mehr hinterher, alles zu lesen, was es angeblich unbedingt zu kennen gilt. Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und grobe Bildungslücken zu schließen, nutze ich bei Gelegenheit Filmseminare an der Uni. Dieses Semester habe ich eine Hausarbeit über einen Filmklassiker geschrieben, der mir tatsächlich sogar so gut gefallen hat, dass ich eine kleine Empfehlung aussprechen möchte.

Filmstill aus dem Film 'Ein zum Tode Verurteilter ist geflohen' von Robert Bresson; die Hauptfigur Fontaine sieht aus dem vergitterten Fenster
Die Hauptfigur Fontaine an seinem Stammplatz

Es handelt sich um "Ein zum Tode Verurteilter ist geflohen" von Robert Bresson. Dieser französische Film aus dem Jahr 1956 trägt im Original den noch weniger griffigen Titel "Un condamné a mort s'est échappé ou La vent souffle comme il veut". Darin wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der 1943 von den Nazis ins Gefängnis gesteckt wird und dort auf seine Erschießung warten muss. Oder eben nicht: denn er tut alles, um zu entkommen.

Eins gleich vorweg: obwohl es um einen Gefängnisausbruch geht, ist dieser Film weder ein Thriller, noch ein Drama oder gar eine Dokumentation. Es geht auch nicht um ein Plädoyer gegen Nazi-Terror, sondern um das Gefangensein und die Macht der eigenen Willensstärke. Das ist auch der Grund, warum über den Ausgang des Films kein Zweifel besteht - selbst der Titel spielt ja bereits darauf an. Die Spannung baut sich auf andere Weise auf: dem Gefühl des Eingesperrtsein, das stark über die Raumordnung erzeugt wird, steht die scheinbar unbegrenzte Welt der Gedanken gegenüber. Man bleibt stets nah beim Protagonisten Fontaine, sieht seine Hände in Großaufnahme Ausbruchswerkezeuge herstellen oder lauscht mit ihm nach Geräuschen von draußen. Das was man nicht sieht, ist in diesem Film genauso wichtig wie das Dargestellte, denn es steht immer in einer unsichtbaren, aber doch gefühlten Verbindung. Über Ton und Bild wird eine Welt angedeutet, die vor der Tür liegt und gleichzeitig unendlich weit weg zu sein scheint.

Bresson wollte in diesem Film auf alles Überflüssige verzichten. Es gibt keine Flut an Requisiten und auch das Schauspiel ist vergleichsweise emotionslos. Dennoch ist es ihm gelungen, minimalistisch nicht kühl und seelenlos werden zu lassen. Gerade weil alles so karg scheint, wird den einzelnen Dingen so viel Gewicht gegeben. Das einzige Musikstück des Films etwa, das bei bestimmten Szenen wiederkehrt, ist dadurch besonders eindrucksvoll. Abseits von Hollywood-Sehgewohnheiten muss man sicher ein wenig Feingefühl und Hintergrundwissen für diesen Film aufbringen, aber ich empfand die Beschäftigung mit ihm als lohnenswert!

Filmstill: 'Fin'